Die meisten Menschen kennen ihren Kontostand auf den Cent genau. Aber fast niemand kann sagen, wie viel Geld im Alter tatsächlich jeden Monat auf dem Konto landen wird. Dabei ist das die wichtigste Zahl der eigenen Finanzplanung.
Die Zahl, die niemand gern ausspricht
Die durchschnittliche Altersrente in Deutschland liegt bei rund 1.180 Euro im Monat. Männer erhalten im Schnitt etwa 1.374 Euro, Frauen etwa 1.000 Euro.
Die Armutsgefährdungsschwelle für einen Einpersonenhaushalt liegt derzeit bei etwa 1.314 bis 1.380 Euro netto.
Was das Rentenniveau wirklich bedeutet
Das Rentenniveau vor Steuern liegt bei 48 Prozent. Diese Zahl wird fast immer falsch verstanden. Sie bedeutet nicht, dass Sie 48 Prozent Ihres letzten Gehalts bekommen.
Sie bedeutet: Wer 45 Jahre lang genau den Durchschnitt verdient hat, erhält 48 Prozent des dann geltenden Durchschnittsverdienstes.
Zwei Bedingungen also, die in der Realität selten beide zutreffen. Wer studiert hat, im Ausland gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, kommt selten auf 45 volle Jahre. Und wer überdurchschnittlich verdient, bekommt zwar mehr Rente, aber gemessen am gewohnten Einkommen prozentual weniger.
Die Zahlen für 2026
Zum 1. Juli 2026 sind die Renten um 4,24 Prozent gestiegen. Der aktuelle Rentenwert liegt seitdem bei 42,52 Euro je Entgeltpunkt, zuvor waren es 40,79 Euro.
Damit ergibt die Standardrente, also 45 Entgeltpunkte, 1.913,40 Euro brutto im Monat.
Zwei Dinge sind an dieser Zahl wichtig. Sie ist brutto, davon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung ab und je nach Rentenbeginn Steuern. Und sie ist ein Modellfall, kein Durchschnitt. Die meisten Menschen erreichen keine 45 Entgeltpunkte, weshalb die tatsächliche Durchschnittsrente so viel niedriger liegt.
So rechnen Sie Ihre eigene Lücke aus
Sie brauchen zwei Zahlen und zehn Minuten.
Schritt 1: Ihre voraussichtliche Rente. Die Deutsche Rentenversicherung schickt Ihnen ab dem 27. Lebensjahr jährlich eine Renteninformation, sofern Sie fünf Beitragsjahre haben. Nehmen Sie die Hochrechnung, aber lesen Sie das Kleingedruckte: Sie unterstellt, dass Sie so weiterverdienen wie bisher.
Schritt 2: Ihr Bedarf. Keine Faustformel wie „80 Prozent des letzten Nettos”. Nehmen Sie Ihre tatsächlichen Ausgaben und streichen Sie, was wegfällt: Sparraten, Fahrtkosten, vielleicht Kreditraten. Addieren Sie, was dazukommt: Gesundheit, Zeit, Reisen.
Schritt 3: Die Differenz. Bedarf minus voraussichtliche Nettorente.
Schritt 4: Inflation. Die Lücke von heute ist nicht die Lücke von morgen. Bei zwei Prozent Inflation über 25 Jahre brauchen Sie rund 1,64 Mal so viel Geld für denselben Warenkorb.
Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir an, Ihre Renteninformation weist 1.400 Euro brutto aus. Nach Kranken- und Pflegeversicherung bleiben davon etwa 1.250 Euro.
Ihre heutigen Ausgaben liegen bei 2.200 Euro. Im Ruhestand fallen Sparrate und Pendeln weg, macht 1.900 Euro Bedarf.
Lücke heute: 650 Euro im Monat.
Bis zum Rentenbeginn sind es noch 25 Jahre. Mit Inflation entspricht das rund 1.070 Euro in dann gültigem Geld.
Das ist keine Zahl, die man mit einem Sparplan über 25 Euro schließt. Aber es ist auch keine Zahl, vor der man Angst haben muss, wenn man sie 25 Jahre vorher kennt.
Ihre Renteninformation liegt irgendwo in einem Ordner. Bringen Sie sie mit, dann rechnen wir Ihre Lücke gemeinsam aus, nicht am Beispiel, sondern an Ihren Zahlen.
Erstgespräch buchen →Warum die meisten diesen Schritt aufschieben
Weil das Ergebnis unangenehm ist. Eine Lücke von mehreren hundert Euro wirkt erdrückend, wenn man sie zum ersten Mal schwarz auf weiß sieht.
Aber genau darin liegt der Wert. Eine unbekannte Lücke lässt sich nicht schließen. Eine bekannte schon, und je früher man sie kennt, desto kleiner ist der monatliche Aufwand.
Wer mit 30 anfängt, hat 37 Jahre, in denen Zinseszins arbeitet. Wer mit 50 anfängt, hat 17. Der Unterschied im nötigen Monatsbeitrag ist dramatisch, und er lässt sich später durch nichts mehr aufholen.
- Ich weiß, wie viele Entgeltpunkte ich bisher gesammelt habe
- Ich habe meine Renteninformation aus diesem Jahr gelesen, nicht nur abgeheftet
- Ich kenne meine monatlichen Ausgaben, nicht geschätzt, sondern gerechnet
- Ich weiß, wie viel von meiner Rente später zu versteuern ist
- Ich habe Zeiten im Ausland, in Ausbildung oder in Elternzeit geprüft
Wer weniger als drei Häkchen setzen kann, plant im Nebel. Das ist keine Schande, es ist der Normalfall.
Was danach kommt
Erst wenn die Zahl auf dem Tisch liegt, ist die Frage nach dem Produkt sinnvoll. Vorher ist jedes Gespräch über Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge oder private Rentenversicherung ein Gespräch über Werkzeuge, ohne zu wissen, was gebaut werden soll.
Genau in dieser Reihenfolge arbeite ich: erst Ihre Zahl, dann die Strategie, dann erst die Umsetzung.
Häufige Fragen
Zählt eine Erbschaft oder eine Immobilie mit? Vorsichtig. Eine selbst bewohnte Immobilie senkt den Bedarf, weil Miete wegfällt, sie erzeugt aber kein Einkommen. Eine Erbschaft ist keine Planungsgrundlage, sondern ein Bonus.
Was, wenn ich Jahre im Ausland gearbeitet habe? Dann kommt es auf das jeweilige Sozialversicherungsabkommen an. Auslandszeiten können bei der Wartezeit mitzählen, die Rente zahlt aber jedes Land selbst und getrennt. Einer der häufigsten Gründe, warum Renteninformationen falsch gelesen werden.
Ist die Renteninformation verlässlich? Als Momentaufnahme ja. Sie schreibt aber Ihren bisherigen Verdienst einfach fort. Wer einen Gehaltssprung, eine Selbstständigkeit oder eine Teilzeitphase vor sich hat, sollte sie nicht als feste Größe nehmen.
Wie viel muss ich sparen, um 650 Euro Lücke zu schließen? Das hängt an Laufzeit, Rendite und Steuerwirkung, und genau deshalb gibt es dafür keine seriöse Pauschalantwort. Bei 25 Jahren Laufzeit reden wir aber über einen deutlich kleineren Monatsbetrag, als die meisten befürchten.