Finanzplan aufbauen: Die richtige Reihenfolge

Notgroschen, Risiken, Schulden, Vermögensaufbau. Warum die Reihenfolge über den Erfolg entscheidet und welche Kennzahlen 2026 als Orientierung dienen.

8 Min Sinisa Miskovic

Die meisten Finanzberatungen beginnen mit einem Produkt. Jemand hat von einem Fonds gehört, eine Werbung gesehen, einen Tipp vom Kollegen bekommen. Das ist ungefähr so, als würde man einen Dachdecker rufen, bevor das Fundament steht.

Ein Finanzplan hat eine Reihenfolge, und sie ist nicht verhandelbar. Wer sie überspringt, baut auf Sand.

4Stufen, in dieser Reihenfolge: Puffer, Risiken, Schulden, Aufbau
3 – 6Monatsausgaben gehören als Notgroschen aufs Tagesgeld
1.180 durchschnittliche Altersrente, der Grund für Stufe 4

Stufe 1: Der Notgroschen

Bevor irgendetwas angelegt wird, gehören drei bis sechs Monatsausgaben auf ein Tagesgeldkonto. Nicht drei bis sechs Monatsgehälter, sondern Ausgaben. Das ist meist weniger und damit schneller erreichbar.

Warum zuerst? Weil ohne Puffer jede unerwartete Rechnung, jede kaputte Waschmaschine, jede Autoreparatur dazu führt, dass eine langfristige Anlage zum ungünstigsten Zeitpunkt aufgelöst wird. Genau dann, wenn die Kurse unten sind.

Der Notgroschen muss keine Rendite bringen. Er muss verfügbar sein.

Stufe 2: Die Risiken, die alles beenden können

Erst danach kommen Versicherungen, und auch hier gibt es eine Rangfolge. Entscheidend ist nicht, wie wahrscheinlich ein Schaden ist, sondern wie existenzbedrohend.

Immer nötig: Privathaftpflicht. Ein Personenschaden kann lebenslange Zahlungspflichten auslösen. Der Beitrag ist im Verhältnis dazu lächerlich gering.

Fast immer nötig: Absicherung der Arbeitskraft. Ihr Einkommen finanziert alles andere. Fällt es weg, fällt alles weg. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht in aller Regel nicht.

Wenn Menschen von Ihnen abhängen: Risikolebensversicherung. Nicht als Sparprodukt, sondern als reine Absicherung.

Situationsabhängig: Berufshaftpflicht, Rechtsschutz, Hausrat, Elementarschutz.

Was fast nie zuerst kommt: Handyversicherung, Brillenversicherung, Reisegepäck. Das sind Ärgernisse, keine Existenzrisiken.

Stufe 3: Teure Schulden

Ein Dispokredit oder ein Ratenkredit mit zweistelligem Zinssatz schlägt jede realistische Anlagerendite. Solche Schulden zuerst zu tilgen ist mathematisch gesehen die sicherste „Rendite”, die es gibt, weil sie garantiert ist.

Eine Immobilienfinanzierung mit niedrigem Zins ist etwas anderes und muss nicht vorgezogen werden.

Stufe 4: Erst jetzt Vermögensaufbau

Und auch hier zuerst die Frage, nicht das Produkt: Wofür, und bis wann?

  • Geld, das in drei Jahren gebraucht wird, gehört nicht in Aktien.
  • Geld für die Rente in dreißig Jahren gehört nicht auf ein Tagesgeldkonto.

Zwischen diesen beiden Polen liegt die eigentliche Planung. Der Anlagehorizont bestimmt die Anlageform, nicht umgekehrt.

Die Zahlen, die 2026 als Orientierung dienen

Ein paar Werte, die in fast jedem Gespräch vorkommen:

  • Rentenniveau: 48 Prozent vor Steuern. Das gilt für 45 Beitragsjahre bei Durchschnittsverdienst, nicht für Ihr letztes Gehalt.
  • Aktueller Rentenwert: seit 1. Juli 2026 42,52 Euro je Entgeltpunkt, nach 40,79 Euro zuvor.
  • Standardrente: 1.913,40 Euro brutto bei 45 Entgeltpunkten.
  • Sparerpauschbetrag: 1.000 Euro pro Person, 2.000 Euro bei gemeinsamer Veranlagung.
  • Versicherungspflichtgrenze: 77.400 Euro Jahresbrutto. Erst darüber dürfen Angestellte in die private Krankenversicherung wechseln.
  • Beitragsbemessungsgrenze GKV: 69.750 Euro. Bis zu diesem Einkommen werden Krankenkassenbeiträge erhoben.

Diese Zahlen ändern sich jährlich. Wer mit veralteten Werten plant, plant falsch.

Selbstcheck: auf welcher Stufe stehen Sie?
  • Drei bis sechs Monatsausgaben liegen verfügbar auf Tagesgeld
  • Privathaftpflicht besteht und ist aktuell
  • Meine Arbeitskraft ist abgesichert, nicht nur gesetzlich
  • Ich habe keine Schulden mit zweistelligem Zinssatz
  • Ich weiß, wofür und bis wann ich spare, nicht nur dass ich spare

Erst wenn alle fünf Häkchen stehen, ist die Frage nach Fonds, ETF oder Rentenversicherung überhaupt die richtige Frage.

Im ersten Gespräch geht es nicht um Produkte, sondern darum, wo auf dieser Leiter Sie stehen. Oft ist der nächste Schritt kleiner und günstiger, als die Leute erwarten.

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Wie ich vorgehe

Wir gehen die vier Stufen durch, von unten nach oben, und halten fest, wo etwas fehlt. Meistens ist der nächste Schritt genau einer, nicht fünf.

Manchmal ist das Ergebnis auch, dass Sie gar nichts Neues brauchen, sondern nur etwas Bestehendes anpassen. Das sage ich dann auch, auch wenn dabei für mich nichts abfällt.

Häufige Fragen

Wie viel sollte ich monatlich sparen? Es gibt keine sinnvolle Pauschalantwort. Die Zahl ergibt sich aus Ihrem Ziel, Ihrem Zeithorizont und dem, was nach Fixkosten übrig bleibt. Eine Faustformel wie „zehn Prozent” ignoriert alle drei Größen.

Lohnt sich sparen, wenn ich Schulden habe? Der Notgroschen ja, parallel zur Tilgung. Langfristiger Vermögensaufbau bei teuren Schulden meistens nicht.

Muss ich alles auf einmal umstellen? Nein, und das ist selten sinnvoll. Ein Finanzplan wird über Jahre gebaut, nicht an einem Nachmittag.

Passt das auf Ihre Situation?

Ein Beitrag erklärt, wie etwas allgemein funktioniert. Was davon für Sie gilt, zeigt sich erst an Ihren Zahlen.

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